Presseberichte

zu Festivals und Aktivitäten des Vereins

Vom 25. bis zum 27. September 2015 fand in Berlin-Mitte das Festival „mandolin-upgrade-guitar-bağlama“ statt, das der Öffentlichkeit eine gute Gelegenheit dazu gab, die Mandoline im Kontext verschiedenster Musiktraditionen sowie in ihrer musikästhetischen Nähe zur Gitarre und Bağlama wahrzunehmen. Das vom Verein zur Förderung der Zupfmusik e.V. in Kooperation mit der Bağlama-Plattform e.V. organisierte Festival verfolgte die Absicht, der Unsichtbarkeit der Mandoline in der deutschen Musikszene entgegenzuwirken, indem es ein facettenreiches Programm aus Konzerten, Workshops, Meisterkursen, Instrumenten- und Notenausstellungen bot. Das hohe qualitative Niveau der Veranstaltungen ließ die Nähe der Initiatoren zum Instrument spüren und ihre Absicht, der Mandoline zu einer zeitgemäßen Aktualisierung in der deutschen Kulturlandschaft zu verhelfen, deutlich vernehmen. Die Gestaltung einzelner Darbietungen und Kursangebote erzeugte ein vielschichtiges Konglomerat aus diversen ästhetischen Ausdrucksformen, das den Interessenten der Mandoline, Gitarre und Bağlama einen langersehnten Genuss gewährte und zugleich die Potenziale für ein fusionales Denken eröffnete.

Besonders erfreulich war es für die Teilnehmer und die Künstler nicht nur, dass es sich hierbei um das weltweit erste Festival für Mandoline, Bağlama und Gitarre handelte, sondern vor allem, dass dieser Anlass dazu genutzt wurde, mit der Einbringung der Bağlama auch eine kulturpolitische Haltung zu zeigen. Die Solidarität zwischen beiden Instrumenten erscheint aus historischer Perspektive zunächst weniger evident, da doch die Bağlama in Deutschland unter dem Vorwand, ein ursprünglich „außereuropäisches“ Instrument zu sein, lange Zeit jenseits von öffentlichen Musik- und Musikhochschulen gelehrt werden konnte, während bei der Mandoline weniger kulturelle, sondern musikgeschichtliche Gründe gegen ihre Präsenz in der Öffentlichkeit eine Rolle gespielt haben. Davon abgesehen jedoch leiden beide Instrumente in ihrer Rezeption gemeinsam am meisten darunter, dass ihre musikalische Vielseitigkeit unterschätzt wird.

Die Mandoline blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der sie sich verschieden ausgeformt und ihre Spieltechnik mannigfaltig entwickelt hat. Werke von weltweit bedeutenden Komponisten haben sie in diesem Prozess begleitet und ihr zu ihrer Professionalisierung verholfen. Auf diese Weise hatte sie historisch eine weitreichende Resonanz entfalten können. Die Bağlama hingegen ist bisher nicht als repräsentativer Bestandteil der klassischen Kunstmusik aufgetreten. Erst im Zuge der staatlich-institutionellen Befassung mit der türkischen Volkskultur Anfang des 20. Jahrhunderts wurde begonnen, die Bağlama in ihrer symbolischen Bedeutung für diese wahrzunehmen. Ihr Auftreten in der medialen Öffentlichkeit hat sie der Entwicklung der technischen Reproduktionsmittel und deren Anwendung für die Archivierung und systematische Verwaltung der anatolischen Volksmusik zu verdanken. Diese ist als das Produkt unterschiedlichster religiöser und ethnischer Strömungen zu verstehen, die sich der Bağlama als traditionsstiftendes Medium bedient haben. Zahlreiche überlieferte und gegenwärtig reproduzierte Werke von Barden (türkisch: ozan und âşık) sind Belege dessen. Durch die Konfrontation der Bağlama mit technischen Reproduktionsmitteln beschleunigte sich der Prozess ihrer instrumentalen Entfaltung, die heute noch intensiv fortgesetzt wird. Ein besonderer Aspekt dieses Zusammenwirkens ist die Transzendierung des Instruments aus ihren traditionellen Kontexten zugunsten seiner Präsenz im Radio, Fernsehen und auf dem Tonträger. Ihre ursprüngliche Verwendungsweise im geschlossenen Rahmen der religiösen Kulte bzw. der lokalen Musikkultur wurde durch ihre Aufnahme in die neuen Medien erweitert, da sie somit in ihrer künstlerischen Autonomie bestärkt wurde.

Damit einhergehend veränderte sich auch ihre Rezeption. Der ästhetische Zugang zur Bağlama erfuhr zudem durch die Binnenwanderung in der Türkei ab Mitte des 20. Jahrhunderts eine deutliche Modifikation, als Resultat sozialen, politischen und ökonomischen Wandels, die durch die Migration ins Ausland vorangetrieben wurde. Der gegenwärtig in Deutschland geführte Diskurs um die soziokulturelle Verortung der Bağlama geschieht vor diesem Hintergrund. Gemeint sind die regen Diskussionen, die das Instrument in ihrem institutionellen Etablierungsprozess durchleben musste, um erst allmählich in das deutsche Kulturleben als ebenbürtiges Instrument Eingang zu finden. Neben kulturellen Aspekten wurde oftmals ihr tonales Spektrum bzw. die interpretierten Repertoires als Argument dafür angeführt, um die Bağlama aus der westlichen Musikkultur fernzuhalten, was bei vielen Interessenten des Instruments eher auf Unverständnis gestoßen ist. Sicherlich können die modalen Skalen, die in der anatolischen Volksmusik von maßgeblicher Bedeutung sind, nicht ausgeblendet werden, wodurch die Bağlama von ihrer historisch-kulturellen Verflechtung mit ihr gelöst werden könnte. Jedoch kann diese Verflechtung musiktheoretisch ebenso wenig dazu verhelfen, ihr europäisches Dasein zu übersehen. Vielmehr sollten sie als Dimensionen ihres Entfaltungspotenzials betrachtet und darin Wege einer modernen Authentizität gesucht werden.

Die Bağlama tritt heute in verschiedenen künstlerischen Versuchen mit qualitativem Anspruch auf, bestrebt, bisher verschmähte Berührungen mit für sie „untypischen“ Musikrichtungen einzugehen. So ist die Bağlama-Szene in Europa besonders wertvoll, da sie hier mehr experimentierfreudigeren Interpreten und Rezipienten begegnet als in ihrem Herkunftsland. Dadurch entsteht eine neue Wahrnehmung der Bağlama, die sich von der folkloristischen absetzen möchte. Außerdem wirft ihre künstlerische Involvierung in hiesigen Musikproduktionen ein anderes Licht auf ihre kulturelle Identitätsfrage. Es handelt sich immer weniger um ein leicht zu verortendes regionales Musikinstrument, denn sie ist dazu fähig, einen eigenen Ausdruck des transkulturellen Kulturlebens zu liefern. Das ist auch der Kern des Bedürfnisses nach der institutionell geförderten Etablierung der Bağlama beispielsweise an deutschen Hochschulen und Konservatorien. Die Bağlama gehört zu der gemeinsamen Musikkultur der Menschen in Europa. Dem Studium ihrer Instrumentalgeschichte und der anatolischen Volksmusik widmen sich nicht nur türkeistämmige Menschen, die ihre ‚eigentliche’ Identität bewahren wollen.

Wie das Festival auf eine besondere Weise gezeigt hat, bieten die Vielseitigkeit und Virtuositätspotenziale der beteiligten Instrumente eine feste Grundlage dafür, das globale transkulturelle Musikleben zu repräsentieren. Die künstlerischen Beiträge vermittelten ein Gespür dessen, dass neben der Gitarre, auch Mandoline und Bağlama offensichtlich als geeignete Medien im interkulturellen Austausch fungieren können. Das gemeinsame Musizieren erzeugte einen über die gesprochenen Sprachen hinausgehenden Raum der authentischen Vermittlung, die dem pluralistischen Miteinander in der Gegenwart Gehör verschaffen kann. Es ist naheliegend, davon auszugehen, dass dies in Zukunft wesentlich gefestigt und ausgebaut werden wird.

Hasret Tıraz Bağlama-Plattform e.V.

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Das Festival ALLIANCE with mandolin, bağlama & guitar fand am 15. Sept. 2018 in Berlin-Charlottenburg in Kirche und Gemeindehaus Alt-Lietzow statt.

Am 14.09. trafen die Musiker ein zu einer Probe für die Berliner Erstaufführung der „Anatolischen Suite Nr. 2“ von Koray Berat Sari für Bağlama-Ensemble und Zupforchester im Haus der Familie. Ein gemeinsames Abendessen im Hause Morgenroth-Kubik vertiefte die persönlichen Beziehungen.

Die Zielsetzung des Festivals und ihre Umsetzung Erreicht werden sollte eine Annäherung der bisher getrennt nebeneinander her musizierenden Kulturen, ob in Berlin oder anderswo. Das ist uns gelungen, die mehr als 60 Teilnehmer/Innen aus 9 Bundesländern und dazu der 20-köpfige Frauenchor des syrisch-türkischen Migrantinnenvereins Berlin e. V. haben die Durchmischung beider Instrumentengruppen bei sowohl türkischer als auch europäischer Musik in verschiedenen Arbeitsgruppen kennengelernt und begeistert aufgenommen. Sie werden die Nachricht über dieses gelungene Festival in alle Richtungen weitertragen. Das Fach- und sonstige Publikum zeigte sich ebenfalls begeistert. Die Kommentare waren ausnahmslos positiv, ja es wurde eine Wiederholung dieses Festivals gewünscht bzw. angeregt.

Das Projekt ALLIANCE des Vereins zur Förderung der Zupfmusik e.V. leistete somit einen guten Beitrag zur Integration orientalischer und europäischer Musikkultur, die Teilnehmer und Musiker dieser erstmaligen Begegnung verstanden sich prächtig und genossen gegenseitig mit Neugier und Achtung die besonderen Eigenheiten ihrer Instrumente und ihrer Musik. Die Anatolische Suite Nr. 2 für Bağlama-Ensemble und Zupforchester von Koray Berat Sari, unter der brillanten Leitung von Vicente Larrañaga, bildete den absoluten musikalischen Höhepunkt und zugleich Abschluss dieses denkwürdigen Tages, der zuvor schon sehr gute Aufführungen durch die Teilnehmergruppen und danach durch die hervorragenden Dozenten gezeigt hatte. Der Ablauf des Festivals ALLIANCE am Samstag, 15.09.2018: Amateure aus 9 Bundesländern und Profis der Zupfmusik trafen sich um 9:30 Uhr und erarbeiteten in drei parallelen Workshops ab 10:00 Uhr unter Leitung von Annika und Fabian Hinsche, Steffen Trekel, Koray Berat Sari, Marijke & Michiel Wiesenekker und Halit Çelik mehrere Musikstücke, erstmals unter Beteiligung der türkischstämmigen Bevölkerung mit ihren Bağlamas.

Zum guten Kennenlernen trug auch die gemeinsame Stunde ab 13:30 Uhr bei, in der alle Teilnehmer im Plenum miteinander musizierten und sich austauschen konnten. Ein extra angemietetes Festzelt im Garten trug ebenfalls zur guten Atmosphäre und Kontaktanknüpfung bei. 17:00 Uhr: Die 64 Teilnehmer jedweden Alters brachten in einem Teilnehmer-Konzert von selten gehörter Qualität eine Uraufführung des Berliner Komponisten Carlo Domeniconi und Stücke von Paulsen-Bahnsen, Kubik und Koray Berat Sari zu Gehör. Das Damen-Bağlama-Ensemble SU und der Frauenchor des Migrantinnen-Vereins Berlin e.V. unter Leitung von Halit Çelik begeisterten mit türkischen Liedern. 18:45 Uhr: Es folgte ein Abend-Programm, das zu Recht im Kammersaal der Berliner Philharmonie oder im Pierre Boulez Saal hätte aufgeführt werden müssen, so vielseitig und so unter musikalischer Hochspannung traten die international gefragten Musiker auf, darunter das Amsterdams Gitaar en Mandoline Duo, das MareDuo, Halit Çelik, Steffen Trekel diesmal ohne seinen Duopartner, und zum Schluss alle Solisten zusammen mit Koray Berat Sari, Hasret Tıraz, Nihat Iman und Barış Kadem an der Bağlama, unter der brillanten Leitung von Vicente Larrañaga. Diese Anatolische Suite Nr. 2 von Koray Berat Sari sprühte wie ein Feuerwerk und erzeugte atemloses Staunen. So sehen Sternstunden der gezupften Musik aus.

  

 

     

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